Leitfaden zur Größenmessung bei bettlägerigen Patienten

Quellenbasierter Leitfaden zu Ersatzmaßen, wenn ein Erwachsener nicht stehen kann

Haftungsausschluss: Nur zu Informationszwecken. Kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung. Konsultieren Sie immer einen Arzt.

Ein geeignetes Messverfahren wählen

Ein Körperabschnitt ist nicht die Körpergröße im Stehen. Für eine Größenschätzung braucht man eine Gleichung oder Tabelle, die Messmethode, Alter und untersuchte Population berücksichtigt. Dieser Leitfaden erklärt die Messung; er liefert keinen persönlichen Größen- oder Behandlungswert.

Liegt eine aktuelle, verlässliche Körpergröße in der Patientenakte vor, sollte sie zuerst geprüft werden. Die BAPEN-Erläuterung zu MUST empfiehlt eine realistische dokumentierte oder erinnerte Größe, bevor Ersatzmaße verwendet werden. BAPEN MUST.

Wann sind Ersatzmaße sinnvoll?

Wenn eine Person nicht sicher stehen kann, fehlt oft eine direkt gemessene Größe. Ein gekrümmter Rücken kann die Messung im Stehen zusätzlich verfälschen. Der BAPEN-MUST-Bericht von 2003 beschreibt Kniehöhe, Ulnalänge und Halbspannweite als Ersatzmaße für das Ernährungsscreening Erwachsener. Die Interpretation hängt vom Verfahren und von der Person ab. BAPEN MUST (2003).

Diese Anleitung betrifft Erwachsene. Sie liefert weder eine pädiatrische Wachstumsbeurteilung noch eine individuelle Arzneimittel-, Ernährungs- oder Verfahrensentscheidung.

Wie werden die Maße genommen?

Kniehöhe: Bei bettlägerigen Personen beschreibt BAPEN die Rückenlage mit Knie und Sprunggelenk jeweils im 90°-Winkel. Die untere Schiene der Messlehre liegt unter der Ferse, die obere an der Vorderseite des Oberschenkels über den Femurkondylen, etwa 4 cm oberhalb der Kniescheibe. Der Schaft verläuft parallel zum Unterschenkel; BAPEN beschreibt auch eine Anpassung mit Maßband. Gemessen wird von der Ferse bis zum Oberschenkel, nicht vom Fußboden bis zur Knieoberseite. Siehe gedruckte Seiten 98–99 des BAPEN-Berichts. BAPEN MUST.

Ulnalänge: Für die Ulnalänge wird der Arm vor der Brust angewinkelt. Das Maßband verläuft von der Ellenbogenspitze (Olekranon) bis zur Mitte des hervorstehenden Handgelenkknochens (Processus styloideus). BAPEN gibt für dieses Verfahren eine Ablesung in Zentimetern auf 0,5 cm an. „Unterarmlänge“ ohne genaue Endpunkte kann ein anderes Maß bedeuten und darf nicht ungeprüft in die Ulnatabelle eingesetzt werden. BAPEN MUST.

Halbspannweite: BAPEN misst von der Mitte der Drosselgrube am Hals bis zum Fingeransatz, während der rechte Arm waagerecht und das Handgelenk gerade gehalten werden. Die Fingerspitze ist nicht der Endpunkt. Bei deutlicher Wirbelsäulenkrümmung rät die BAPEN-Erläuterung von dieser Halbspannweite ab; für bettlägerige Personen empfiehlt sie eher die Ulnalänge. BAPEN MUST.

Armspannweite: Die gesamte Armspannweite ist wieder ein anderes Maß. Kwok und Whitelaw untersuchten 1991 die Armspannweite älterer Menschen, nicht eine Formel für eine beliebige Unterarmlänge. Armspannweite, Halbspannweite, Ulnalänge und Kniehöhe sind nicht austauschbar. Kwok & Whitelaw (1991).

Welche Grenzen hat eine Größenschätzung?

Die Chumlea-Studie von 1985 entwickelte Kniehöhen-Gleichungen für 60- bis 90-Jährige, deren Körpergröße nicht direkt messbar war. Ihre Population und Fehlerangaben gelten nicht automatisch für alle bettlägerigen Erwachsenen oder andere Körperabschnitte. BAPEN führt auch unterschiedliche Tabellen nach Alter und Geschlecht. Lagerung, Kontrakturen, Schwellung und Populationsunterschiede können die Eignung beeinflussen. Chumlea et al. (1985).

Es gibt keine allgemeingültige Rangfolge oder Fehlerspanne für diese Verfahren. Wer eine geschätzte Größe klinisch nutzt, sollte eine zur Person passende dokumentierte Methode wählen und den Schätzwert als solchen kennzeichnen. Sobald direktes Messen möglich ist, sollte die Größe erfasst werden.

Was sollte dokumentiert werden?

Körperabschnitt, gemessene Seite, anatomische Endpunkte, Körperlage, Einheit, Datum und Schwierigkeiten bei der Lagerung dokumentieren. Wenn später eine Gleichung oder BAPEN-Tabelle verwendet wird, auch Quelle, Altersgruppe und das Ergebnis als geschätzte Größe festhalten. Ein bis zur Fingerspitze gemessenes Maß passt nicht in eine Tabelle für den Fingeransatz.

Abweichende Schätzungen aus verschiedenen Verfahren nicht einfach mitteln. Zuerst Endpunkte, Haltung und Anwendbarkeit der jeweiligen Methode prüfen. Wenn die Schätzung die Versorgung beeinflusst, ist fachliche Beurteilung nötig.

Häufige Fragen

Ist die Kniehöhe immer die beste Wahl?

Nein. Knie und Sprunggelenk müssen passend gelagert werden können. BAPEN weist darauf hin, dass die Ulnalänge bei bettlägerigen Menschen oft einfacher zu erfassen ist.

Ist Ulnalänge dasselbe wie Unterarmlänge?

Der Begriff Unterarmlänge allein ist mehrdeutig. Das BAPEN-Verfahren legt die Endpunkte am Ellenbogen und Handgelenk genau fest.

Kann der Leitfaden eine Dosierung oder ein Ernährungsziel liefern?

Nein. Er berechnet keine Körpergröße, und ein einzelnes Körpermaß legt keinen individuellen Behandlungs- oder Ernährungsplan fest.

Quellen: BAPEN-MUST-Bericht (2003), MUST-Erläuterung (2003; überarbeitet 2011), Chumlea et al. (1985) und Kwok/Whitelaw (1991). Quellen geprüft am 29. September 2026.